„Eine Frau mit Kopftuch auf einem Plakat zu sehen, darüber freue ich mich.“



„Das Wort Ausländer, das ist Quatsch, das gefällt mir nicht.“

Muna, 22

Berlin, Neukölln

„Ich habe beide Kulturen in mir vereint.“

Muna ist eine engagierte junge Frau. Muna trägt Kopftuch. Nicht weil sie es muss – sie hat sich bewusst dafür ent- schieden. Muna ist Deutsche. Im Wohnzimmer hängen Bilder mit Versen aus dem Koran, ein Mekka-Aufkleber auf dem Thermostat weist die Richtung. Und obwohl sie kein Weihnachten feiert, liebt Muna die Weihnachtszeit und freut sich darauf, über den Weihnachtsmarkt zu spazieren.

Bist du gläubig? Betest du? „Ja, ich bete fünfmal am Tag.“

Für sie sind das keine Gegensätze. Sie hat beide Kulturen in sich vereint. Munas Familie kommt aus der Türkei, die Großeltern waren Gastarbeiter und sind mittlerweile in die Türkei zurückgekehrt. Ihre Eltern kommen aus Anatolien und haben sich in Berlin kennengelernt. Munas Vater ist Busfahrer und ihre Mutter arbeitet als Tagesmutter. „Meine Tochter hat ihren eigenen Kopf, sie kann selbst entscheiden“, sagt der Vater.

Fühlst du dich als Deutsche oder als Türkin? „Beides. Ich bin beides. Aber als ich das letzte Mal in der Türkei war, habe ich mich deutsch gefühlt“, erzählt sie.

Warum man sich für den deutschen Pass entscheiden sollte? „Weil man einfach nur Vorteile hat und Chancen. Und die sollte jeder nutzen.“

Muna ist zweisprachig aufgewachsen und macht eine Ausbildung zur Logopädin auf einer privaten Hochschule. Logopädin ist ihr Traumberuf. Sie spricht akzentfrei Deutsch und geht wählen. Sie hat deutsche und türkische Freundinnen und Freunde. Einige ihrer Freundinnen tragen Kopftuch, andere nicht. Für sie macht es keinen Unterschied.

„Entscheidend ist doch, was für ein Mensch man ist und was man aus sich macht.“

Muna nimmt das Beste aus den beiden Kulturen, mit denen sie aufgewachsen ist. Sie verneint ihre Identität nicht und sie passt sich nicht kopflos an. Sie verbindet die Kultur ihres Herkunftslandes und die deutsche Kultur zu einer neuen Identität – ihrer eigenen.

Im Garten des Hauses, in dem Muna seit 15 Jahren mit ihrer Familie lebt, wächst ein Quittenbaum aus der Türkei. „Die Türkei wächst hier!“, sagt ihr Vater.