„Deutschland ist meine neue Heimat.“

Pavao, 60

Schöneberg

„Der deutsche Pass ist Macht.“

Pavao kommt eigentlich aus Jugoslawien, betont er gern – geboren in Serbien, aufgewachsen in Kroatien. Ungarisch ist seine Muttersprache, Kroatisch seine Zweitsprache. Er wuchs in einem Dorf an der Donau im heutigen Kroatien auf. Noch heute fühlt er sich diesem Ort sehr verbunden, der scheinbar endlosen Weite und dem Geruch nach Gras und Erde, den es nur dort gibt.

1991 floh Pavao nach Deutschland. Vor dem Krieg und vor der ständigen Gefahr. „Damals, als draußen Granaten einschlugen, habe ich Beethoven-Klavierkonzerte gehört.“

„Es hat mich aufgerüttelt, ich wollte weg“, sagt Pavao ernst. Doch es waren nicht nur die Angst und der Krieg: Nicht nur fliehen müssen, fliehen wollen. Abenteuerlust, Neugier.

Als er nach Deutschland kam, wurde ihm klar: „Das Wichtigste ist, die Sprache zu lernen.“ Und er lernte: In der zweiten Woche seines Aufenthalts saß er in einem Intensiv-Deutschkurs. Mit 40 eine Fremdsprache zu lernen ist sehr schwierig, doch Pavao war fleißig, lernte und liebt die deutsche Grammatik immer noch. Das liegt vielleicht auch daran, dass er seine Deutschlehrerin geheiratet hat.

Pavao ist studierter Psychologe und Pädagoge und arbeitet jetzt im Verein Südost Europa Kultur, in einem Projekt, das sich u. a. mit Jugendlichen aus den Ländern Exjugoslawiens beschäftigt. Dort bringt er den Jugendlichen bei, eine Struktur in ihren Alltag zu bringen. Er engagierte sich auch ehrenamtlich im Migrationsrat Berlin-Brandenburg e.V., einem Verein, der die Interessen von Migrantinnen und Migranten politisch vertritt. „Ich bringe jeden zum deutschen Pass“, sagt Pavao.

Seinen deutschen Pass hat Pavao seit 2008. Nach dem Überreichen der Urkunde ist er sofort zur Wahlurne gegangen und hat sich stolz fotografieren lassen. Er wünscht sich, dass es eine richtige Zeremonie gegeben hätte. Die hat er dann selbst inszeniert. Am meisten hat er sich darüber gefreut, wählen zu gehen, denn der deutsche Pass ist für Pavao in erster Linie: Macht. Die Macht, für die eigenen Rechte zu kämpfen und gegen Ungerechtigkeiten vorzugehen. Die Macht, mitgestalten zu können und für gleiche Rechte und Pflichten für alle zu stimmen.