Einbürgerungstest?

Seit dem 1. September 2008 muss jede/r, die/der eingebürgert werden möchte, Kenntnisse der deutschen Rechts- und Gesellschaftsordnung nachweisen. Wer hier aufgewachsen und zur Schule gegangen ist oder z. B. ein Studium in Rechts-, Sozial- oder Politikwissenschaften abgeschlossen hat, muss natürlich keinen Test machen: Ein in Deutschland erworbener Hauptschulabschluss oder ein anderer, höherer Schulabschluss genügt.

Wer keinen Abschluss hat, muss den Einbürgerungstest machen. Dieser Test besteht aus 33 Fragen im Multiple-Choice-Verfahren, davon müssen 17 richtig beantwortet werden. Der Test findet an der Volkshochschule statt und kostet 25 €.

Wichtig: Ältere Menschen und Einbürgerungsbewerber, die wegen einer ernsthaften Erkrankung oder einer bestehenden Behinderung die Anforderungen nicht erfüllen können, müssen sich keinem Einbürgerungstest unterziehenund auch nicht ausreichende Sprachkenntnisse nachweisen.

Weitere Informationen zum Einbürgerungstest gibt es auf der Internetseite des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge unter: http://www.bamf.de/

Wer kann sich einbürgern lassen?

Wer nicht schon deutsche(r) Staatsangehörige(r) ist, kann die deutsche Staatsangehörigkeit unter bestimmten Voraussetzungen durch Einbürgerung erwerben.
Hier finden Sie die wichtigsten Punkte zur Gesetzeslage und zu den Voraussetzungen für eine erfolgreiche Einbürgerung. Da es immer Ausnahmen gibt und jeder Fall individuell ist, lassen Sie sich auf jeden Fall in Ihrer Staatsangehörigkeitsbehörde bzw. in der Dienststelle des Integrationsbeauftragten beraten!

Abstammungsprinzip?
Geburtsortprinzip?
Eingeschränkte Optionspflicht?



Abstammungsprinzip

Wer als Kind eines deutschen Elternteils geboren wird, erwirbt durch die Geburt die deutsche Staatsangehörigkeit. Sind die Eltern nicht miteinander verheiratet und ist nur der Vater Deutscher, ist eine rechtswirksame Anerkennung oder Feststellung der Vaterschaft erforderlich.

Geburtsortprinzip

Seit Januar 2000 gilt: Wer als Kind ausländischer Eltern in Deutschland geboren wird, ist automatisch Deutsche oder Deutscher, wenn ein Elternteil zum Geburtszeitpunkt bereits seit acht Jahren rechtmäßig seinen gewöhnlichen Aufenthalt im Inland hat und ein unbefristetes Aufenthaltsrecht besitzt.

Für Kinder, die zwischen dem 2. Januar 1990 und dem 31. Dezember 1999 in Deutschland geboren wurden, galt eine Übergangsregelung. Sie konnten unter erleichterten Voraussetzungen eingebürgert werden.

Eingeschränkte Optionspflicht

Wer nach dem oben beschriebenen Geburtsortprinzip die deutsche Staatsangehörigkeit erworben hat und daneben noch eine (oder mehrere) weitere Staatsangehörigkeit(en) besitzt, muss aufgrund am 20. Dezember 2014 in Kraft getretener Rechtsänderung dann keine Entscheidung zwischen der deutschen und der/den ausländischen Staatsangehörigkeit(en) treffen, wenn die jeweilige Person bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres

  • acht Jahre im Inland gelebt hat oder
  • sechs Jahre im Inland eine Schule besucht hat oder
  • in der Bundesrepublik eine Schule oder Berufsausbildung abgeschlossen hat.

Sollte jemand keine der drei Voraussetzungen erfüllen, muss die zuständige Behörde der betroffenen Person innerhalb eines Jahres nach Vollendung des 21. Lebensjahres einen schriftlichen Hinweis über die bestehende Erklärungs-, d.h. Entscheidungspflicht zustellen. Diese besteht jedoch nicht, wenn jemand nach eigenem Vortrag in einem mit den oben genannten Kriterien vergleichbar engen Bezug zu Deutschland steht und dies von der Behörde anerkannt wird (Härtefallregelung).

Die vorstehend genannten Ausführungen zur im Vergleich zur früheren Gesetzeslage hinsichtlich des betroffenen Personenkreises erheblich eingeschränkten Optionspflicht gelten nicht für Personen, die die deutsche Staatsangehörigkeit durch Abstammung von einem deutschen Elternteil erworben haben und seit ihrer Geburt auch noch eine ausländische Staatsangehörigkeit abgeleitet vom anderen Elternteil besitzen. In diesen Fällen besteht von Seiten des deutschen Rechts ohnehin keine Pflicht, sich entscheiden zu müssen.

Allgemeine Voraussetzungen für eine
erfolgreiche Einbürgerung:

  • Gesicherter Aufenthaltsstatus (z. B. Niederlassungserlaubnis oder bestimmte Aufenthaltserlaubnis)
  • In der Regel seit 8 Jahren rechtmäßiger gewöhnlicher Aufenthalt in Deutschland
  • Die Fähigkeit, selbst für seinen Lebensunterhalt zu sorgen
  • Ausreichende Deutschkenntnisse
  • Kenntnisse der Rechts- und Gesellschaftsordnung
  • Aufgabe der bisherigen Staatsbürgerschaft
  • Keine Vorstrafen
  • Bekenntnis zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung des Grundgesetzes

Tipp: Bei besonderen Integrationsleistungen kann die Frist auf sechs Jahre verkürzt werden, zum Beispiel, wenn besonders gute Deutschkenntnisse nachgewiesen werden oder ein längeres ehrenamtliches Engagement bei einer gemeinnützigen Organisation oder einem Verein besteht.

Ausführliche Informationen zur Einbürgerung, darunter zahlreiche Ausnahmeregelungen z. B. von der Sicherung des Lebensunterhalts und von der Vermeidung von Mehrstaatigkeit, entnehmen Sie bitte der Broschüre von Christian Kayser, Deutsches Staatsangehörigkeitsrecht, hrsg. von dem Beauftragten des Senats von Berlin für Integration und Migration.